Beziehung und Kommunikation

Wie gelingt lebendige Partnerschaft im monotonen Alltag?

Beziehung und Alltag

Zwei Menschen in einer Beziehung sitzen abends zusammen vor dem Fernseher. Jeder hat etwas zu trinken, die Schüssel Chips steht auf dem Couch-Tisch. Kein Wort wird miteinander gesprochen. Nebeneinander her vegetieren.

So in etwa stellen wir uns die gescheiterte Beziehung vor, in der der monotone Alltag über die Leidenschaft und die Liebe gesiegt hat.

Alltag

Langeweile.

Stress.

Gefühlstod.

Tatsächlich ist es absolut verständlich, dass es nicht leicht ist, das Feuer in der Partnerbeziehung heiß und kraftvoll zu halten. Das mag teilweise gar kein Problem der Beziehung sein, sondern eins unserer Gesellschaftsform. Vielleicht führt gar kein Weg an der Langeweile vorbei.

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Doch darüber möchte ich hier gar nicht diskutieren, denn dieses Thema mindestens so groß, wie es natürlich spannend ist!

Meine Frage ist hier: Wie halte ich meine Partnerschaft im Alltag lebendig, und warum fällt das so schwer?

Früher war alles besser

Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage ist schnell gefunden. Wenn wir frisch verliebt sind, sind wir vollkommen auf unseren neu gefundenen Schatz fixiert. Unsere Gedanken kreisen unentwegt um diesen Menschen. Es gibt nichts schöneres, als Zeit mit ihm zu verbringen. Jede Bewegung, jedes Wort, alles ist perfekt.

Der Grund dafür ist, dass in der Verliebtheitsphase unser Bindungssystem aktiviert ist. Wir möchten den Anderen an uns binden und wir wollen vom Anderen geliebt werden. Darauf ist unser gesamtes Denken und Tun ausgerichtet. Und das ist wunderbar. Diese Phase kann ein wundervolles Fundament für eine lange Beziehung sein.

Irgendwann jedoch, und was das betrifft, gleicht eine Liebesbeziehung unserem Lebensweg mit Kindheit und Pubertät, werden wir auch wieder in die Autonomie gehen.

Wo vorher nur die Bedürfnisse des Anderen galten, melden sich unsere wieder zu Wort.

Wo zunächst jedes Wort Gold war, nerven uns langsam die immer gleichen Geschichten.

Was zunächst liebenswerte Ticks waren, sind jetzt entnervende Angewohnheiten.

Und auch das ist völlig in Ordnung. Es wäre hochgradig ungesund dauerhaft im Bindungsmodus zu verweilen und uns so in eine tiefe emotionale Abhängigkeit von unserem Partner zu begeben.

Frust, Stress und Langeweile

Das bedeutet aber auch, dass wir jetzt zum Beispiel unsere Müdigkeit wieder fühlen. Wo wir sonst abends noch einmal aufgebrochen wären, um unseren Partner zu sehen, oder mit ihm rauszugehen, wenn man zusammenwohnt, gehen wir jetzt lieber ins Bett. Wir müssen ja morgen ja wieder ganz früh raus.

Aus dieser Erschöpfung durch Job, Kinder, Verpflichtungen und Langeweile im Alltag entspringt die Hoffnung, dass sich doch bitte ganz automatisch ein romantisches Leben entfalten möge. Die schönen Momente sollen sich organisch, wie von selbst, ergeben, denn wir haben die Kraft nicht, da unentwegt zu investieren. Oder wir sind sowieso frustriert, weil wir eben in den letzten Wochen und Monaten sehr, sehr viel für unsere Beziehung getan haben. Jetzt ist doch wohl mal unser Partner dran, Initative zu zeigen.

Überhaupt, der Partner.

Wir meinen ihn genau zu kennen, mit all seinen nervigen Eigenheiten und seiner verletzenden Art und verachten Ihn regelrecht dafür. Die Wahrheit ist: Eigentlich wissen wir so gut wie gar nichts über ihn. Nichts von seinen Gefühlen und Gedanken. Nichts davon, wer er eigentlich ist, abseits der Verpflichtungen und kraftlosen Erschöpfung des Abends.

Viele Paare treten genau so sehr in Verbindung miteinander, um sich gerade so nicht kennenlernen zu müssen.

„Du gehörst mir!“

Den andere Grund, warum unsere Beziehung nicht mehr lebendig ist, bildet der Satz: „Du gehörst mir.“

Damit meine ich nicht die These, dass wir immer etwas Angst haben müssen, den Anderen zu verlieren, damit das Zusammensein und Sexleben „prickelnder“ ist, weil wir sonst nicht investieren. Das mag sein, aber ich bin nicht der Meinung, dass das die Basis für eine erfüllende und nachhaltige Liebesbeziehung ist.

Ich meine vielmehr mit diesem Satz, dass wir unseren Partner so sehr in unser Leben integriert haben, dass wir ihn schon gar nicht mehr eigenständigen Menschen wahrnehmen, mit eigenen Emotionen und einer völlig anderen Sicht auf die Welt, als wir sie haben. Er ist regelrecht ein Teil unseres Körpers geworden und hat als solcher nichts bereicherndes zu unserem Leben beizutragen.

Um aus dieser Spirale der genervten Langeweile auszubrechen, brauch es ein wenig Zutun und Initiative von beiden Partnern.

Was jetzt?

Als erstes lade ich dich dazu ein, dir folgende Frage zu stellen:

Wieviel Gespräche führst du im Alltag mit deinem Partner? Abseits von organisatorischen Absprachen, kurzen Wortwechseln und Diskussionen um die Kinder oder verpasste Termine? Wie oft sitzt ihr euch gegenüber, oder lauft nebeneinander her und teilt euch gegenseitig darüber aus, was in euch gerade lebendig ist? Was ihr fühlt, was euch bewegt oder verletzt hat in eurem Leben.

Diese Inventur kann ziemlich ernüchternd sein. Meist kommt da nicht viel Zeit zusammen.

Um wieder in Kontakt zu kommen und sich gegenseitig als lebendiges, eigenständiges und Interessantes Wesen wahrzunehmen, lege ich dir ans Herz in deiner Paarbeziehung wenigstens einmal in der Woche ein ausführliches Zwiegespräch zu führen.

Mindestens einmal in der Woche und möglichst regelmäßig!

In der Wiederholung liegt das Potential, so sehr in Beziehung zu treten, dass das Verhältnis miteinander wahrgenommen und durchgearbeitet werden kann.

Indem wir uns öffnen und äußern und aufmerksam sind und zuhören, beleben wir unsere Partnerbeziehung neu.

Das braucht sicherlich zunächst ein bewusstes Sich-darauf-Einlassen und die Initiative beider, sich dazu aufzuraffen. Aber bald schon werden wir und unser Partner bemerken, wie bereichernd dieser Termin in unserem Alltag ist.

Wie Zwiegespräche gelingen

Im Gespräch ist es wichtig, dass wir aktiv zu hören. Der Andere soll ausreden dürfen und wir konzentrieren uns auf die Gefühle und Bedürfnisse, die hinter seinen Worten stehen. Es ist sehr hilfreich, zu wiederholen, wie wir die Aussagen verstanden haben, auch wenn das zunächst etwas befremdlich wirken kann.

Wenn wir sprechen, bleiben wir bei uns. Wir sprechen von unseren Beobachtungen, Gefühlen und Bedürfnissen und verurteilen den Anderen nicht oder machen ihm Unterstellungen und Vorwürfe.

Zusammengefasst sind diese Regeln für das Zwiegespräch wichtig:

  • Während ich rede, stelle ich keine Fragen
  • keine Ratschläge
  • Jeder redet nur über sich.
  • Wer redet, darf immer ausreden und wird nicht unterbrochen.
  • Schweigen ist erlaubt. Es besteht kein Zwang zur Offenbarung!

Wichtig: Beide Partner müssen diese Gespräche wollen. Die Wirkung ist völlig verfehlt, wenn sich einer zu dieser Veranstaltung genötigt fühlt.

Es klingt vielleicht wie eine banale Sache, diese Zwiegespräche, aber der Inpact auf unsere Paarbeziehung kann riesig sein. Es gibt kaum eine andere Methode, die so sehr helfen kann, eine lebendige, erfüllte und leidenschaftliche Beziehung über den zermürbenden Alltag zu retten.

Und das wünsche ich dir und deinem Partner von ganzem Herzen.

Shalom,

Dein Mathias

Das Video zum Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.