Achtsamkeit Beziehung und Kommunikation

Männer haben kein Bock auf die ganze Herzscheiße. Ist das ein Problem?

Wir saßen sehr vergnügt vor einer Kneipe unter Bäumen, als aus einem Nebenhaus ein Pärchen stürmte. Sie weinte und sie hielt ihn fest, er versuchte sich loszureißen und er schrie:
„Geh weg mit deiner Herzscheiße.“

Na gut, das ist mir nicht wirklich passiert, das ist ein Songtext von Funny van Dannen. Aber trotzdem kennen wir, denke ich, alle dieses Problem mit Männern (wie ich einer bin) und dem Reden über Gefühle.

Das Thema ist altbekannt.

Es sind auch schon eine Menge Worte darüber verloren worden. (Hah, Ironie!) Denn Männer sind nunmal so erzogen.
Keine Gefühle zeigen.
Keine Tränen.
Anpacken.
Nicht so viel quatschen.
Ich bin übrigens auch teilweise so. Statt Herzscheiße habe ich Sachen gesagt wie: „Kann nicht einfach mal irgendwas leicht sein?“
Der Witz ist: Ich bin in einem Frauenhaushalt aufgewachsen, eigentlich müsste ich es gewohnt sein, dem Klischee nach, über diese Themen zu reden. Oder bin ich sogar abgeschreckt?
Wie der Zufall es will, ist es in meiner Familie, trotz Frauenmehrzahl, nicht Sitte über Gefühle zu sprechen. In der Endkonsequenz habe ich es auch wieder nicht gelernt und entspreche so wohl dem gängigen Bild des gefühlverschlossenen Mannes.

Wortkarger Wolfram

Ich kann es absolut verstehen, dass es Frauen anstrengen kann, wenn ihr Mann eher wortkarg ist. Wortkarger Wolfram. Und es ist gut, mit viel Empathie und Verständnis dennoch für das Bedürfnis nach Dialog einzutreten.
Den größten Schaden jedoch richten Männer wohl bei sich selbst an. Nicht, weil Austausch wichtig ist. Doch, ja, das ist er. Nein, es ist vermutlich eher so, dass sie nicht nur ihrer Frau sagen: „Lass mich damit in Ruhe!“ Nein, sie sagen es sich wahrscheinlich auch selbst. Im Stillen.

Wir alle tragen einen Schmerz in uns, der sich in den frühen Jahren unseres Lebens, aber auch später noch, angesammelt hat. Durch Worte und Taten anderer Menschen, die wir dann auf uns bezogen haben. Schnell bildet sich in uns der Glauben, dass wir nicht genügen würden. Oder nicht wertvoll seien. Dass wir nicht bekommen, was wir brauchen.
Und das tut weh.
Das wollen wir nicht sehen müssen.
Also suchen wir uns Schutzstrategien, um die Sache zu verschleiern. Zum Beispiel die Verdrängung.
Ist doch alles in Ordnung, nich?
Nein, ach komm, lass mal lieber jetzt hier… arbeiten gehen.
Aber der Schmerz ist da, egal wie sehr wir ihn verdrängen. Dafür braucht es übrigens keine Misshandlung o.ä. in unserer Kindheit. Bei weitem nicht. Wir können eine scheinbar wunderschöne Kindheit gehabt haben und je mehr wir das verteidigen und wütend werden, wenn jemand was anderes behauptet, um so größer ist vermutlich der Schmerz.
Und der kleine Junge tief drin sagt: Ich fühl mich nicht gut.
Und der Mann antwortet: Halt die Fresse!

Welche Gefühle?

Männer, ihr müsst nicht unbedingt anfangen, über eure Gefühle zu reden. Besonders, wenn ihr gerade gar keine empfindet. Wenn ihr jedoch keine empfindet, ist zumindest die Möglichkeit da, dass in euch irgendetwas leidet, dass sich nicht traut, sich zu zeigen. Und dass es gut wäre, mal zu schauen, ob und was in euch leidet. Es geht in erster Linie nicht um das Wohl eurer Freundin oder Frau. Es geht grundsätzlich erstmal um euch selbst und ob ihr glücklich seid.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich dann die Verbindung zu meinem Kern habe, ich nach wie vor nicht viel sagen muss. Aber die 1,5 Wörter, die ich dann sage, treffen den Nagel auf den Kopf und reichen dann auch.

Wie das mit dem nach innen schauen geht? Das ist noch eine ganz andere Geschichte.

Für heute war das erstmal genug mit der ganzen Herzscheiße.

Shalom,
dein Mathias

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