Achtsamkeit Beziehung und Kommunikation

Beziehungsirrtümer: „Frieden ist, wenn alle gleich sind.“ Vom ZimZum der Liebe

Ach wie schön ist es, endlich jemanden gefunden zu haben, der mich versteht. Wir sind uns in allem einig und verstehen uns fast ohne Worte.
Der Traumzustand einer Beziehung?
Auf jeden Fall, zumindest teilweise. Ich gönne jedem Menschen, ja ich wünsche es allen, dass eine neue Beziehung sich anfühlt, wie eine Epiphanie: Alles ist erleuchtet und strahlt vor Glück und Liebe. Die Frage ist jedoch, was passiert, wenn dieses Strahlen plötzlich nachlässt? Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass wir gleich sind, uns gegenseitig immer verstehen, ja EINS sind. Und nun kommen die alltäglichen Streitigkeiten, Missverständnisse und Eigenschaften, die mich an meinem Partner bis aufs Mark reizen.

Sofakissen sind unromantisch

In Filmen wird ja kurz vor diesem Moment meist ausgeblendet und der Abspann kommt, sodass unser Bild von Beziehung und Liebe eher dem zuerst beschriebenen Zustand entspricht. In unserer romantisierten Vorstellung vom EINS-Sein in der Partnerbeziehung ist kein Platz für Diskussionen über die Farbe der Sofakissen. Und vielleicht wäre es besser, wir springen ab und suchen in der nächsten Partnerschaft das beständige EINS-Sein, nach dem wir uns so sehnen.
Wie viel geht verloren, wenn wir so denken. Welche Erfüllung entgeht uns, wenn wir das Zwei-Sein nicht ertragen, weil wir nach Eins-Sein streben.
In seinem Buch „The ZimZum of Love“ beschreibt der Autor Rob Bell Beziehung mit einem Begriff aus der jüdischen Mythologie, dem TzimTzum.

Das ZimZum der Liebe

Dieses Wort beschreibt die Entstehung der Welt, nicht im wissenschaftlichen Sinn, sondern als poetisches, mystisches Geschehen: Zu Beginn gab es nur Gott und nichts anderes. Damit etwas anderes als Gott entstehen konnte, musste Gott einen Raum erschaffen, der nicht Gott war. Damit etwas Anderes entstehen und gedeihen konnte, musste Gott den Raum über sich hinaus erweitern oder abspalten. Wenn unsere Beziehung gelingen soll, wäre es gut, wenn wir ebenfalls einen solchen Raum für unseren Partner erschaffen, ein ZimZum der Liebe.
Zunächst besteht unser Leben nur aus uns selbst, wir kreisen um uns selbst. Aber dann tritt eine weitere Person in unser Sein und unser Gravitationsfeld erweitert sich. Wir schaffen Platz und geben dem Anderen Raum.
Wir befinden uns in einem neuen Umfeld.
Erst ging es nur um uns.
Nun geht es um uns – und diese andere Person.
Erst war da nur einer.
Nun sind da zwei.
ZimZum.

Auf diese Weise entsteht Bewegung , energetische Anziehung, Beziehung. Und all dies geht auf Dauer verloren, wenn wir wollen, dass die Zwei Pole zu einem werden. Allein schon deshalb, weil sie ja schon eins sind, als zusammengehörig in einem Feld, das sich gegenseitig bedingt. Wie zwei Atome, die ein Molekül bilden.
Es gibt viele Gründe, warum wir uns nach diesem Eins-Sein sehnen. Die meisten liegen sicher in unserer Kindheit begründet. Wenn wir uns danach sehen, mit einer anderen Person symbiotisch verschmolzen zu sein, sind wir psychologisch nicht erwachsen geworden. Und dann sollten wir uns unseres verletzten inneren Kindes annehmen. Möglichkeiten dafür gibt es viele. Schau dich dafür gern auch gern hier auf dem Blog um. (hier zum Beispiel)

Raum

Geben wir unserem Partner in seinem Anders-Sein Raum. Öffnen wir uns seinem Blick auf die Dinge und schenken ihm Vertrauen. Üben wir uns in der Toleranz, dass es nicht nur eine objektive Wahrheit und Sicht der Dinge gibt. Und dass sich Verschiedenartigkeit ergänzt und bereichert.
So geben wir unserer Beziehung die Möglichkeit, ein dynamischer, exklusiver, wunderbarer und heiliger Raum zu werden. Ein ZimZum der Liebe.

„Ich werd‘ immer für dich da sein, bist du dabei? In dem Gefühl wir wär’n ZWEI.“ (Kettcar)

Shalom, euer Mathias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.