Achtsamkeit Beziehung und Kommunikation

Schuldgefühle: 3 Schritte, wie du dich wieder wohl mit dir selbst fühlst

Schuldgefühle

Du hast Scheiße gebaut. Aber mal so richtig. Du unfähiger kleiner Nichtsnutz. Es ist ja klar, dass du das nie hinbekommst. Du hast alles versaut.

Kommt es vor, dass du manchmal auf diese Weise mit dir selbst sprichst? Dass dich die Schuldgefühle auffressen?

Bei mir war es manchmal der Fall.

Du hast etwas nicht hinbekommen, einen Fehler gemacht. Es kann sein, dass du einen geliebten Menschen verletzt hast. Dass die Beziehung zerbrochen ist, weil du es nicht geschafft hast, dich zu ändern.
Dann, in der Einsamkeit eines Zimmers oder bei der Zigarette auf dem Balkon springt die Stimme im Inneren an, die hart mit dir selbst ins Gericht fährt. Die Schuld zerfrisst dich innerlich. Ein furchtbarer Zustand.
Schuldgefühle sind eine durch und durch destruktive Sache, denn sie liegen einem riesigen Irrtum zugrunde. Sie erwachsen aus negativen Glaubenssätzen, die du dir als Kind angeeignet hast. Die Stimme in deinem Kopf ähnelt höchstwahrscheinlich sehr der deiner Eltern, wenn einmal darauf achtest.

Woher kommen Schuldgefühle?

Kinder sind stets darum bemüht, ihren Eltern alles recht zu machen. Sie wollen ihnen gefallen, denn es sind die wichtigsten Identifikationspartner. Leider ist das vielen Eltern nicht bewusst (gewesen). Das Kind kleckert? “Gib dir mal Mühe beim Essen, du frisst wie ein Schwein!” Das Kind ist laut? “Kannst du nicht mal Rücksicht darauf nehmen, dass ich hier meine Ruhe brauche?” Das Kind ist vertieft in ein Spiel und bummelt deshalb? “Hast du nicht gehört, dass du dich beeilen sollst? Jetzt kommen wir wieder wegen DIR zu spät!”
Diese Aussprüche liegen der irrigen Annahme zugrunde, dass das Kind sich keine Mühe geben WILL. Und dass es scheinbar aus reinem Egoismus oder Desinteresse oder gar Boshaftigkeit nicht kooperiert. Was beim Kind hängen bleibt, ist:

Wenn du versagst oder dir etwas nicht gelingt, dann liegt das daran, dass du nicht wirklich willst. Dass du uns nicht wirklich lieb hast. Denn sonst wäre es nicht schief gegangen. Eigentlich könntest du es, aber du bist ein böser Mensch.

Schuldgefühle.

Meiner Meinung nach werden hier Kinderseelen misshandelt und das Rückgrat von zukünftigen Erwachsenen zerstört.

Denn: Die Eltern hatten unrecht. Und es wäre ein Fehler, dieses Zerstörungswerk fortzusetzen.

Dass du einen Fehler gemacht hast, liegt ja bereits daran, dass du vielleicht überfordert warst oder einfach nicht mehr konntest. Sich dann auch noch Vorwürfe dafür zu machen, ist grausam.
Doch was hilft gegen diese schrecklichen Schuldgefühle, wenn man einmal erwachsen ist und da sitzt, in seinem Zimmer oder mit der Zigarette auf dem Balkon?

Schuldgefühle
Du bist ein wunderbarer Mensch

Was hilft?

Es folgen drei Gedanken, die helfen, die Schraubzwinge aus Schuld zu zerbrechen.

1. Schritt:

Du bist ein Mensch, der fähig ist zu lieben. Und du bist stets bemüht dein bestes zu geben. Wenn du “versagt” hast, dann liegt das nicht daran, dass du es eigentlich gekonnt hättest, wenn du nicht so ein böser Mensch gewesen wärst. Du hast es wirklich nicht gekonnt, weil du selbst so verletzt bist. Du HAST dein bestes gegeben. Nicht weniger. Und es ist so großartig, dass du das getan hast, egal was dabei herausgekommen ist.

2. Schritt:

Nimm dir ein Foto von dir als Kind und stell dir einen Moment vor, du würdest diese grausamen Worte, die in dir pulsieren zu diesem kleinen, unschuldigen Jungen/Mädchen sagen. Es zerreißt dir das Herz oder? Was würdest du ihm statt dessen sagen wollen? Halte diese lieben Worte fest und dann sage sie zu dem Menschen, der du jetzt bist! Stell dir vor, dass du dich in den Arm nimmst und dich tröstest.

3. Schritt:

Schuld ist nach hinten gewandt, in die Vergangenheit. Und du kreist auf zerstörerischer Weise um dich selbst.
Übernimm Verantwortung: Vertraue darauf, dass du wunderbar bist und dann verlege deinen Blick von dir auf das Thema, um das es ging/geht. Schau wieder das Problem an, oder den verletzten Mitmenschen und überlege: Was ist jetzt zu tun? Schau in die Gegenwart und Zukunft. Sie liegen in deiner Hand. An der Vergangenheit kannst du nichts mehr ändern. Aber die Zukunft, die gehört dir! Und deine Liebe ist stark genug, sie zu gestalten.
Verantwortung ist konstruktiv, nach vorn gerichtet und auf das außen.

Du bist ein wunderbarer Mensch. Und vor allem bist du erstmal ein Mensch. Menschen machen Fehler und das sagt rein GAR NICHTS über ihren Wert aus.

Beginne noch heute, wieder gut zu dir zu sein. Sei sanft. Sei liebevoll. Dann wird die Schuld immer leiser und am Ende beibt nur noch eins übrig: Die Liebe zu dir selbst und deiner Umwelt.

Das wünsche ich dir von ganzem Herzen,

Shalom,
Dein Mathias

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