Aggression Beziehung und Kommunikation

Passive Aggression – 5 Schritte um eine kaputte Beziehung zu heilen

Die Frage nach einem Glas Saft kann zerstörerisch sein.
Eine nicht erledigte Aufgabe ist ein Angriff.

In vielen Beziehungen kann es vorkommen, dass Krieg geführt wird, ohne dass es so einfach zu spüren ist. Zumindest für Außenstehende. Denn es wird kein böses Wort gesprochen. Es gibt keinen lauten Streit. Keine Wut. Keine offensiven Angriffe.
Trotzdem ist die Partnerschaft ein Schlachtfeld. Wenn es sich bei einem der beiden Partner um einen passiv aggressiven Menschen handelt.
Passive Aggression äußert sich nicht offensiv. Diese Menschen sind nicht in der Lage, ihre Grenzen klar zu verteidigen oder ihre Wut offen zu zeigen. Sie fliehen lieber und mauern.

Was ist Passive Aggression?

Die Wut und Aggression ist jedoch noch immer da. Und sie entlädt sich. Ganz subtil.
Aufgaben werden nicht erledigt, und wenn, dann so langsam, dass es doch scheitert. Gezielt werden Bemerkungen gemacht, die glückliche Momente des Partners kaputt machen. Informationen werden nicht weitergegeben. Der passiv aggressive Mensch kommt zu spät, vergisst, sabotiert. Er stichelt, ignoriert und wertet ab. Stets gibt es jedoch “gute Gründe” für sein Verhalten. Und der Partner wird mit der Zeit mürbe gemacht.

Menschen mit passiver Aggression haben meist in ihrer Kindheit erfahren müssen, dass mit ihrer Wut nicht vernünftig umgegangen wird. Entweder, ihnen wurde mit Vorwürfen begegnet. Oder sie wurden gar nicht erst ernst genommen.

Ach komm, ist doch nicht schlimm.
Was hat er/sie denn nun schon wieder.
Krieg dich ein.

Dieser Mensch hat also gelernt, dass für seine Wut kein Platz ist. Sie ist unangemessen und falsch. Aber die aggressive Energie ist da und sie bahnt sich eben anders ihren Weg. Und der passiv aggressive Mensch selbst und sein Partner sind Opfer eines destruktiven Umgangs mit einem hilflosen Kind.

Zwei Opfer

Ich weiß nicht, wer mehr zu bedauern ist. Der Partner hat kaum eine Möglichkeit, sich von außen Hilfe zu holen. Die Sticheleien und Sabotagen des p.a. Menschen können sehr subtil und auf den Partner persönlich zugeschnitten sein. Jeder Außenstehende würde wahrscheinlich mit den Achseln zucken und den Partner fragen: Warum bist du denn jetzt so aufgewühlt?
Der Partner fängt an, an seiner Wahrnehmung zu zweifeln und wird gar selbst als Täter dargestellt. Oder als hysterisch.
Dass der p.a. Mensch in einem schrecklichen Zustand ist, dürfte ohne nähere Erläuterung klar sein.

Wie kann es einem Paar zusammen gelingen, die vergiftete Atmosphäre aufzulösen? Es ist tatsächlich nicht leicht. Passive Aggression wird teilweise als Persönlichkeitsstörung eingestuft. Und die sind schwer bis gar nicht zu heilen. Aber es gibt Möglichkeiten. Ich möchte 5 Schritte aufzeigen, die helfen, eine von passiver Aggression zerrüttelten Partnerschaft zu heilen.

5 Schritte

  1. Der p.a. Partner von euch beiden muss einsehen, dass er aggressiv handelt. Dass es kein Zufall ist, wenn er etwas vergisst, zu spät kommt. Sarkasmus und Ironie, Abwertung und Sticheleien sind destruktive Attacken. Auch wenn sie harmlos wirken. Dieser Schritt ist bereits sehr schwer, weil der p.a. Mensch gleichzeitig verstehen muss: Du bist kein schlechter Mensch, wenn du aggressiv gehandelt hast.
  2. Der andere Partner von euch sollte stets mitteilen, wenn ihm etwas als Attacke erscheint. Er/Sie sollte diese Beobachtung wertungslos formulieren. Bitte keine Bewertung oder Verurteilung. Kein “schon wieder” oder “immer”. Besser ist: “Du hast …. Gesagt/getan. Das hat bei mir das folgende Gefühl ausgelöst: …. Deshalb glaube ich, dass du da aggressiv gehandelt hast. Kann das sein?”
  3. Ihr könnt euch nun anschauen, warum der p.a. Partner in diesem Moment aggressiv war. Was ist passiert, das über seine Grenzen ging? Was hat ihn verletzt? Dieser Schritt ist schwer, da es sein kann, dass der p.a. Partner es verlernt hat, diese Emotionen bei sich wahrzunehmen. Ihr solltet euch viel Zeit für diesen Schritt nehmen.
  4. Wenn klar ist, was grenzüberschreitend für den p.a. Partner war, kann gemeinsam überlegt werden, wie er das nächste Mal gewaltfrei für sich einstehen kann. Es ist heilsam zu merken, dass er tatsächlich berechtigte Ansprüche darauf hat, Bedürfnisse zu äußern oder “Nein!” zu sagen.
  5. Überlegt gemeinsam, in welchen ähnlichen Situationen das selbe Problem auftreten könnte und wie ihr beide dann reagieren wollt. Diese Absprache schafft Vertrauen und Mut auf beiden Seiten, für sich einzustehen.

Ich habe bewusst keine einfachen Tipps gegeben, wie “Versuchs mal mit Humor.” Diese Schritte bedeuten wirklich Arbeit, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Dafür erhöhen sie die Chance auf eine nachhaltige Besserung der Atmosphäre. Und das ist, so denke ich, bei zwei völlig erschöpften Menschen, wie sie in solchen Beziehungen vorkommen, das wichtigste.

Hilfe für euch!

Vielleicht merkt ihr, dass euch diese Schritte weiterhelfen, dass ihr aber definitiv Hilfe dabei braucht, sie umzusetzen oder weiter an der passiven Aggression zu arbeiten. Wenn ihr möchtet, seid ihr herzlich zu einem kostenfreien Schnuppercoaching eingeladen. Schickt mir einfach eine Nachricht: info@in-den-brunnen.de

Shalom,
Euer Mathias

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Der Vater unserer Kinder (zwei Söhne) und ich sind nun seit Dez. 17 getrennt. All die Passivität, Schweigen, Versprechen kaum einhalten, Unzuverlässigkeit – und kein Bescheid sagen, wenn sich Pläne ändern – – – wie ätzend das ist!!! Dabei habe ich auch irgendwann angefangen ihn subtil zu demütigen. Icch weiß das und werde trotzdem immer wieder getriggert, wenn o.g. wieder passiert, obwohl wir getrennt leben. Die Trennung bracht auf jeden Fall Entspanntheit bei allen. Seine Unzulänglichkeiten, vor allem, wenn es auch um die Kinder geht, fixen mich derart an, dass mir beim kleinsten Ding die Hutschnur platzt. Wie kann ich das anderes machen? Ich kann das kaum aushalten, wenn zugesagt wurde, zu kommen, dann die Kinder nach ihm fragen, er aber das Handy aus hat (das ist auch kein Zufall – IMMER ist die Ausrede, dass der Akku alle sei), wenn ich anfrage, wo er denn bliebe, wir warten seit 30 Minuten. Meine Wut steigert sich dann ins Unermessliche, wenn stundenlang keinerlei Reaktion kommt. ICH bin dann diejenige, die alles allein stemmen muss, ich kann mir wieder keine Pause holen, obwohl ich es dringend bräuchte. ICH rufe dann an, um zu fragen, was denn nun los war. Die Kinder glauben nicht mehr an ihn, wenn er etwas sagt. Dort habe ich nur noch so viele Schimpfwörter übrig, weil ich mich in meine Verletztheit reinsteigere. Wie komme ich da nur raus? Ich habe mich zwar bei deinem Kurs angemeldet, aber wenn der Partner mitmachen muss, dann geht es nicht…
    Ich bin reflektiert, behaupte ich mal, kann oft mit meinen Emotionen umgehen. Wenn er mich zu sehr triggert, leiden die Kinder unter meiner schlechten Laune. Ich halte das dann kaum noch aus. Ich will ein normales Leben haben – und nicht so abhängig von dem, was der Noch-Partner verpatzt. Wie geht das gut? Bin ich bei mir selbst, dann triggert er/es mich gar nicht. Aber sonst sehr!

    1. Hallo Katja! Ich habe dir ja schon über die Kursplattform geschrieben. Antworte mir dort Mal bzgl. Eines Coachingtermines. Dann sehen wir weiter! LG Mathias

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