Beziehung und Kommunikation Märchen als Weg

Aggression – Warum sie nichts schlechtes ist!

Aggression

Frösche küssen ist überbewertet. Das wussten die Brüder Grimm schon lange. Deshalb schmatzt die Prinzessin am Ende vom “Froschkönig” den Wasserplantscher auch nicht ab. Nein, sie wirft in mit voller Wucht gegen die Wand. Die pure Aggression. Und zack – Prinz.
Dieses Ende hat mich viele Jahre irritiert. Wäre es nicht viel logischer, wenn die Prinzessin den verzauberten Königssohn erlöst, indem sie ihn auf die Hand nimmt und zärtlich küsst? Nein. Auf gar keinen Fall.

Die verbotene Emotion

Aggression ist ein emotionaler Zustand, der in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen ist. Schon im Kindergarten sollen Kleinkinder möglichst ihre Konflikte mündlich und sachlich lösen. Wut ist nicht erwünscht. Ich unterstelle: Weil viele Menschen Angst vor ihr haben.

Tatsächlich brauchen wir die Aggression. Sie hilft uns, für uns einzustehen und unsere Grenzen klar zu machen. Wenn wir nicht hin und wieder aggressiv wären, würden wir ständig überrannt werden, von unseren Mitmenschen. Nicht etwa, weil wir ihnen egal wären. Nein, wie sollten sie wissen, was uns wichtig ist, wenn wir uns nicht abgrenzen? Wie sollten sie erkennen, dass uns nicht alles völlig gleichgültig ist?
Beziehung gelingt nur, wenn wir uns uns durchsetzen oder abgrenzen können. Dabei hilft uns die Aggression. Sie ist ein notwendiges Gefühl.

Mit Aggression umgehen lernen

Wenn Kinder schon frühzeitig lernen, dass diese Emotion “verboten” ist, wird sie das in große Schwierigkeiten bringen. Sie werden denken müssen, dass ihre Bedürfnisse nicht wichtig sind.
Aggression ist meist ein absoluter Notzustand. Sie ist die letzte Möglichkeit, sich mitzuteilen. Wenn auch sie nicht fruchtet, bedeutet das die absolute Hilflosigkeit. Kein Mensch ist grundlos aggressiv. Aber er muss sie richtig “benutzen” lernen.
Wenn Streitigkeiten und aggressive Aggressionen ständig von Erziehern und Eltern unterbrochen werden, können Kinder nicht lernen, mit ihrer und der Aggression des Gegenübers umzugehen. Sie werden Konflikt- und damit beziehungsunfähig.

Der Froschkönig wird erst durch die Aggression der Prinzessin erlöst.

Die Prinzessin im Märchen vom Froschkönig scheint ein solches Kind gewesen zu sein. Ihre “Stellung” als Prinzessin weißt darauf hin: Eine Prinzessin muss hübsch, lieb und höflich sein. Ihre Einsamkeit (eine Mutter scheint es nicht zu geben?), ihre Traurigkeit und vor allem ihre WUT hatte da keinen Platz.
Wie sollte sie in dieser perfekten Märchenwelt lernen, sich durchzusetzen?
Und so gibt sie auch nachher ihrem Vater immer nach, als der sie mit moralischen Binsenweisheiten erschlägt: “Was man versprochen hat, muss man auch halten!”
Die Prinzessin hat einen Partner, der ein Frosch ist. Es ist keine echte Beziehung, etwas in ihr ist abstoßend und aufdringlich. Dies bleibt so, solange die Prinzessin stets brav nachgibt und tut, wovon sie glaubt, dass es getan werden muss.

Ein märchenhaftes Ende

Erst, als sie es schafft sich abzugrenzen und ein klares “Nein!” ausruft, gelingt es ihr, diese furchtbare Beziehung in etwas wunderschönes zu verwandeln. Der Frosch wird zum Prinz und die beiden stehen sich gleichberechtigt und -würdig gegenüber.

Natürlich braucht es das rechte Maß und eine gleichmäßige Verteilung der Aggression in jeder Beziehung. Sonst kann eine gefährliche Schieflage entstehen.
Aber grundsätzlich muss es endlich aufhören mit dem Tabuthema “Wut und Aggression”.
Nur so können wir und unsere Beziehungen heilen.

Shalom,
Euer Mathias

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