Geschichte Märchen als Weg

Adventsspecial II: Revolutionäre Weihnachten

Joseph und Maria reisten auf einem Esel von Nazareth nach Bethlehem. Maria war schwanger. Sie erreichten die Stadt, aber keine Herberge hatte Platz für sie. Nur ein Gastwirt sprach: In meinem Haus ist kein Platz, aber ich kann euch meinen Stall überlassen. So bekam Maria ihr Kind im Stall zwischen Ochs und Esel und legte es in eine Krippe. Bald kamen Hirten und 3 weise Könige aus dem Morgenland und überbrachten dem Kind Anbetung und Geschenke…

So kennen wir die Geschichte zu Weihnachten. Und nun schauen wir mal, wie die Sache aussehen würde, mit allem, was in der Bibel darüber steht:

Joseph und Maria reisten von Nazareth nach Bethlehem. Maria war schwanger. Sie bekam ihr Kind und legte es in eine Krippe, weil sonst kein Platz in der Herberge war. Bald kamen Hirten und Weise aus dem Morgenland und überbrachten dem Kind Anbetung und Geschenke.

Es ist beeindruckend, wie eine kleine und eher wenig beeindruckende Geschichte aus der Bibel nicht nur über die Jahrhunderte immer mehr ausgeschmückt worden ist. Nein, sie ist auch zum Mittelpunkt des wichtigsten christlichen Festes und eines auch weltlichen Happenings jedes Jahr im Dezember geworden.

Warum ist das so? Wie kann diese Geschichte eine solche Brisanz und Langlebigkeit haben?

Weihnachten, wie wir es kennen…

Zur Zeit Jesu…

Reisen wir ins Israel um das Jahr 0 herum. Die Provinz Galiläa war von einer militärischen Übermacht erobert worden. Das römische Imperium mit Octavian Cäsar an der Macht, dem Sohn von Julius Cäsar. Ein Herrscher, der König der Könige genannt wurde. Sohn Gottes. Friedensfürst. Und all dies NICHT war.

Das Prinzip Rom, wie das eines jeden Imperiums, war: Wir fallen in ein Land ein. Entweder sie ergeben sich oder wir bringen jeden um, der sich gegen uns stellt. Wenn keiner mehr da ist, der sich auflehnt, dann ist Frieden. Wir schaffen Frieden mit Waffen.
(Zum Glück ist uns eine solche Welt völlig fremd.)

So war es auch in Galiläa geschehen. Um die Macht zu erhalten, wurden in die römischen Provinzen Strohmänner gesetzt: Könige, mit Anbindung ans Volk und dem römischen Imperator treu ergeben. In Galiläa bekleidete Herodes dieses Amt. Ein Fürst, ambivalent in seiner Grausamkeit (er lies einige seiner 7 Frauen hinrichten, sowie 2 seiner Söhne…) und seinem politischen Geschick und seiner schöpferischen Finesse (er erschuf einige der größten Monumente im nahen Osten und sicherte den Erhalt der olympischen Spiele). Er war der König der Juden.

Unterdrückung und Hunger

Was bedeutete diese politische Konstellation für das Volk?
Unter Anderem 80-90% Steuern. Ein Teil ging an Cäsar direkt, für neue Eroberungen. Ein Anderer an Herodes für neue Häfen, Paläste und Monumente. Ein dritter ging an den Tempel, um den Bedürftigen zu helfen. Leider hatten die Priester dort eine Vereinbarung mit Herodes, der einen Großteil dieser “Volksversicherung” für sich abzweigte.

Herodes, König der Juden

Überall bestand das Geld aus Münzen mit dem Antlitz Cäsars, dem König der Könige. Oder aus solchen mit dem des Herodes, dem König der Juden.
Jeder Römer durfte einen beliebigen Juden dazu zwingen, sein Gepäck für eine Meile zu tragen. Einfach so.
Viele Juden waren enteignet worden und arbeiteten als Tagelöhner auf ihren EIGENEN Feldern. Oder sie mussten sich gleich eine neue Anstellung suchen.

Ein junges Paar

Warum also hielt sich ein gewisser Joseph in Nazareth auf und nicht in seiner Heimatstadt Bethlehem? War er vielleicht einer jener armen Männer, denen das Land ihrer Vorväter genommen worden war? Die sich jetzt als Steinmetze beim Bau eines großen Theaters von Herodes in der Nähe von Nazareth verdingten?

Jener Joseph jedenfalls (zu jener Zeit vielleicht 16-17 Jahre alt) war verlobt mit einem Mädchen aus einer streng religiösen Familie. (um die 13-14 Jahre alt?) Dieses Mädchen aus der höchst frommen Familie nun war schwanger. Vor der Hochzeit. Nicht nur das. Die Geschichte zu Weihnachten erzählt uns, dass ihr ein Engel erschienen war, der sprach:

Du sollst einen Sohn bekommen, mit Namen “Gott ist mit uns”. Der wird groß sein und Sohn Gottes genannt werden. Er wird König der Juden sein und seines Königreiches wird kein Ende sein. (etwas gekürzt wiedergegeben).

Revolution!

Der gesamte Sachverhalt bedeutet: Die totale Rebellion gegen alle politischen und religiösen Autoritäten. Revolution liegt in der Luft!
Was tat dieser Revolutionär? Wie wirkte dieser Mann, der später Friedensfürst genannt werden sollte?

Er machte 5000 satt, die sich vor Steuern an den eigentlichen sogenannten Sohn Gottes nicht mehr ernähren konnten. Er forderte Widerstand in absoluter Gewaltlosigkeit. (Er verlangte, wenn wieder so ein Römer käme und seine Geschichte mit der einen Meile abziehen würde, solle man zwei Meilen mit gehen. Klar, denn das Militärgesetz verbat jede weitere Meile unter Androhung von Strafe!)

Er schmiss die Händler aus dem Tempel, die mit den Spenden der Menschen Profit machten.

Er predigte Vergebung, Umkehr, LIEBE!

Wahre Weihnachten

Seine gesamte Existenz, sein gesamtes Handeln sagte: Wahrer Friede wird nie mit Gewalt und Unterdrückung kommen. Wahrer Friede entsteht nur mit Liebe. Und: Die Mächtigen haben nicht das letzte Wort. Es gibt immer etwas, was größer ist. Verliert nicht den Mut! Steht auf, denn ihr seid geliebt!

Die Weihnachtsgeschichte ist alles andere, als eine fromme Kindergeschichte. Sie steckt voller Kraft, Hoffnung und unterstützender Liebe.
In diesem Bewusstsein freue ich mich auf den 24. Dezember: Dem Feiertag aller, die daran glauben, dass nur die Liebe den wahren Frieden bringt.

Frohe Weihnachten!

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