Adventsspecial 1: Kein Advent ohne „Ein Weihnachtslied“ von Dickens

“Geschäfte!” rief der Geist und rang erneut die Hände. “Die Menschheit wäre mein Geschäft gewesen. Die allgemeine Wohlfahrt wäre mein Geschäft gewesen. Nächstenliebe, Erbarmen, Duldsamkeit und Wohlwollen, all das wäre mein Geschäft gewesen.”

Ohne Charles Dickens gäbe es keinen Dagobert Duck. Die reichste Ente der Welt, in unseren Breiten bekannt unter dem Namen “Dagobert Duck” heißt im Original nämlich ganz anders. Wie übrigens nahezu alle Bewohner Entenhausens, mit Außnahme der “ganz prominenten” Donald und Mickey.

Die Entstehung einer Ente

Zurück zur Ente. Der große Carl Barks kam eines Tages auf die Idee, eine Weihnachtsgeschichte mit Donald und seinen Neffen zu zeichnen. Dafür benötigte er einen reichen Großonkel. Er erfand einen schottischen reichen, geizigen Knacker namens: Scrooge McDuck. SCROOGE McDuck.
Diesen Namen hat Barks aus einer der berühmtesten Geschichten des englischen Schriftstellers Charles Dickens entliehen:
A Christmas Carol. Zu Deutsch: Ein Weihnachtslied. Die Inspiration für eine inzwischen allgegenwertige Figur der Popkultur. Und meine absolute Lieblings-Weihnachtsgeschichte.

Ein Meisterwerk

Diese Geschichte hören wir jedes Jahr mindestens 2-3 Mal als Hörbuch. Dickens meisterliche Art, das winterliche London zum Leben zu erwecken. Der feine Humor. Die immer noch aktuelle Kritik an der Gesellschaft und ihrer Ideale. Das alles sind nicht die einzigen Glanzpunkte dieses Werkes. Dickens hat es auch geschafft, eine durch und durch weihnachtliche Geschichte zu erzählen. Und das ohne die üblichen Motive wie Christkind, Geschenke und Weihnachtsmann.

Ein eiskalter Geschäftsmann

Dann ist da diese wunderbare Hauptfigur: Ebenezer Scrooge. Ein, mit Verlaub, unerträglicher geldgieriger Raffzahn. Ohne Herz und kalt wie ein Eiszapfen.

“Selbst stärkste Regengüsse, Schnee, Hagel und Graupelschauer konnten sich nur in einer Hinsicht rühmen, ihm überlegen zu sein: Sie “gaben” oft üppig, und das tat Scrooge nie.”

Dass dieser unangenehme Mensch früher oder später geläutert wird, ist zu erwarten. Die Art und Weise, wie dies geschieht, wie nahe uns Scrooge auf dieser Reise kommt… Das macht „Ein Weihnachtslied“ zu einer der schönsten Geschichten, die ich kenne.

Scrooge bekommt Besuch von 3 Geistern, die ihn auf eine Reise durch die Zeit mitnehmen. Das ist teils etwas sehr gruselig für die ganz Kleinen. Aber zumindest meine beiden Mädels (7 und 4) kommen beim Hörspiel damit klar.

Verfilmungen

Vor einigen Jahren gab es eine Disney-Verfilmung des Stoffs mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Dieser tut seinen Job gut. Leider ergibt sich Regisseur Zemeckis allzu sehr den scheinbaren Möglichkeiten der digitalen Animation: Im Film sieht man computergenerierte Menschen, deren Bewegungen mit echten Menschen aufgenommen worden sind. Die Computeranimation ist nahezu perfekt.

Jim Carrey als Ebeneezer Scrooge

Leider nur nahezu, was zu einem unter Filmkennern bekannten Effekt führt: Das Uncanny Valley. Dieser Begriff beschreibt, dass wir uns mit computeranimierten Figuren in Filmen, wenn sie nahezu realitätsnah sind, nicht identifizieren können. Ein interessantes Thema, das ihr gern mal googlen könnt.

Für Scrooge bedeutet es: Der Film ist eigentlich schön und nahe an der Vorlage gestaltet. Dennoch kann die Animation abschrecken. Ich empfehle ihn dennoch, schon allein, weil ich den Soundtrack toll finde.

Im Zweifelsfall und etwas besser für die ganz kleinen: Die Muppets Weihnachtsgeschichte. Man sollte nicht glauben, dass der Stoff mit überdrehten Puppen funktioniert. Jedoch, er tut es. Ein schöner, liebevoll gemachter Film.

Am Besten ist es jedoch immer noch, die Geschichte selbst zu lesen. Ich empfehle die Neuübersetzung im dtv Verlag (Link). Diese war auch die Vorlage der zitierten Stellen in diesem Beitrag.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich liebe „Ein Weihnachtslied“  und kann diese Geschichte JEDEM empfehlen. Für mich gibt es keine Weihnachtszeit ohne sie.

Shalom,

Euer Mathias

  1. Ich habe die Originalgeschichte noch nie gelesen. Aber den Film mag ich auch sehr gern.

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