Schulpflicht – die erste Frage an weltreisende Eltern!

Wir haben im letzten halben Jahr vielen, vielen Menschen erzählt, was wir im Herbst vorhaben: Ein Work&Travel mit unseren Kindern in Spanien (Mehr dazu). Interessanterweise wurde uns dabei von wirklich JEDEM eine gewisse Frage als erstes gestellt:
Wie macht ihr das mit der Schulpflicht?

Das hat mich fasziniert. Es gibt ja so viele andere Themen, die interessant sein dürften: Wie managed ihr das mit den Finanzen? Wie kommt ihr unter? Was ist mit deinem Job? …
Diese Sachen wurden dann auch noch oft angesprochen, aber von brennendem Interesse war scheinbar wirklich die Thematik Schulpflicht.

Warum eigentlich?

Mir kommen da zwei Gedanken. Der erste ist, dass es in Deutschland scheinbar, wie soll ich sagen, gelungen (??) ist, gesetzliche Vorgaben im Moralempfinden der Menschen zu verankern. Man kennt ja die Witze darüber, dass wir Deutschen selbst an einer völlig leeren Straße stehen bleiben, nur weil die Ampel rot ist. Während in anderen Länder diese Verkehrsregel mehr als eine Empfehlung angesehen wird.
So sieht es scheinbar auch mit dem Dogma der Schulpflicht aus. Wir werden heutzutage von Beginn unseres Lebens an dahingehend konditioniert, dass wir auf jeden Fall in die Schule gehen werden. Dahin muss jeder. Überall. Zumindest in Deutschland. Für mich stürzte ein Weltbild zusammen, als ich erfuhr, dass in unseren Nachbarländern wie Dänemark oder Österreich lediglich eine Bildungspflicht existiert.
Ich möchte in diesem Artikel gar nicht so sehr auf die Argumente der Schulpflichtbeführworter eingehen. Damit hat sich zum Beispiel Dagmar Gericke auf ihrem Blog auseinandergesetzt (Link). Was mich hier viel mehr bewegt, ist die Stigmatisierung von Menschen, die sich kritisch gegenüber der Schulpflicht äußern. Es ergibt sich oft eine sehr emotionale Diskussion, in der schulkritische Eltern zu Rabeneltern erklärt werden, die ihren Kindern die Inklusion in die Gesellschaft verwehren.

Das Dogma „Keine Schulpflicht!“

Das Thema gerät in die Nähe eines heiligen Dogmas, das nicht angefochten werden darf. Ich frage: Warum eigentlich nicht? Erst vor kurzem haben wir einen Artikel im Gesetz zum Thema “Majestätsbeleidigung” entfernt, der noch aus einer Zeit stammte, in der die Gesellschaft eine ganz Andere war. Aus so einer Zeit stammt auch die Schulpflicht. Man wollte damals gehorsame, konforme Soldaten und Arbeiter für monotone Aufgaben schaffen, die Befehlsempfänger waren. Heute brauchen wir jedoch einen anderen Typ Kind. Wir brauchen kritische Fragen, innovative Ideen und kreative Köpfe. Viele Schulen können das schaffen. Aber eben auch einige Eltern, die zum Beispiel die Möglichkeit haben, zu reisen, selbst zu unterrichten und ihren Kindern einen Lebensstil zu ermöglichen, der ein großes Bildungsniveau hat. Diese Eltern sind in unserem Land nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch in den Köpfen der Menschen Straffällige. Das ist furchtbar schade.

Soziale Fähigkeiten…

Mein zweiter Gedanke zu dieser uns so oft gestellten Frage war, dass die Vorstellung, jemand umginge die Schulpflicht, einige unterdrückte Kindheitsgefühle hervorholt. Natürlich entstehen in der Schule viele tolle Beziehungen. Aber viele, auch ich, haben unter tyrannischen Lehrern gelitten, unter Mobbing, unter anderen Qualen. Ich glaube, es gibt viele Erwachsene, die sich in ihrer Schulzeit gewünscht hätten, dass sie wenigstens einige Zeit nicht gezwungen worden wären, diesen Ort zu betreten. Das hat meiner Ansicht nach nichts mit Flucht oder mangelndem sozialen Fähigkeiten zu tun. Wenn ich einen Arbeitsplatz habe, an dem ich nicht glücklich bin, werde ich ihn auch wechseln, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Dass uns die Frage so oft als erstes gestellt wird, zeigt mir, dass dieses Thema gesellschaftlich relevant ist. Ich bin der Meinung, dass das Gesetz dafür da ist, dem Menschen zu dienen. Nicht, dass der Mensch für das Gesetz da ist. Wenn wir merken, dass ein Gesetz nicht mehr zeitgemäß ist, weil sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt hat, dann sollten wir darüber diskutieren, ob etwas zu ändern sei. Und zwar ohne Gegner oder Befürworter moralisch infrage zu stellen.

Aber wie machen wir das nun eigentlich? Nun, das ist eine andere Geschichte, und soll ein anderes Mal auf diesem Blog erzählt werden!

Shalom,

Euer Mathias!

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