Morgendlicher Stress mit Kindern – Was tun?

Ach. Da möchte man einen Tag in Frieden und Ruhe beginnen, die Kinder für ihre Einrichtungen bereit machen und ein kleines Frühstück für sie bereiten und dann ist es jeden Morgen das selbe: Es funktioniert nicht. Die Kinder “bocken”, stellen sich quer, die Zeit tickt. Man wird laut, wütend, es gibt Geheul. Am Ende sind alle unglücklich.
Das Resultat ist Frust, Wut, Tränen und man kommt zu spät. Warum ist das so und muss man selbst und die Kinder “da durch”?

Wie schon einmal erwähnt (Link) ist es in Märchen so, dass eine äußere Armut für eine Innere steht. Kein Geld zu besitzen, bedeutet kein seelisches Glück zu besitzen. Ähnlich weisen uns Situationen wie die oben beschriebene auf einen Missstand hin. Doch nicht nur diese morgendlichen Plagereien. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass mich alle Momente, die eskalieren und in Wut und Trauer enden, auf einen eklatanten Missstand hinweisen. Um das zu verstehen, musste ich jedoch einige Schritte lernen.

1. Kinder wollen IMMER kooperieren

… und in neun von zehn Fällen tun sie das auch.

Oft glauben wir, unsere Kinder kooperieren nur mit uns, wenn sie das tun, was wir von ihnen wollen. Tatsächlich ist es jedoch so, dass die kleinen sowohl sehr soziale, als auch sensible Wesen sind. Sie sind großartige Beobachter, aber schlechte Deuter.
Das bedeutet, sie werden in jedem Fall erspüren, dass wir unter großen Druck stehen, pünktlich das Haus zu verlassen. Warum das so ist, das wissen sie nicht. Aber sie sehen unser Unglück darüber.
Da sie uns lieben, wollen sie, dass es uns gut geht und finden zwei gegensätzliche Wege der Kooperation:

– Sie passen sich an, ziehen sich beflissen an, frühstücken ruhig, schnell und gesittet und sitzen pünktlich im Auto (oder Fahrradanhänger)

– Sie weisen durch Verwehren von gerichteten Handeln auf einen vorhandenen Missstand hin..

Es gibt einen Teil in uns, der darauf getrimmt wurde, immer zu gehorchen und so schnell wie effizient zu handeln, schon als Kind. Dieser Teil fragt vielleicht jetzt, welcher Missstand gemeint ist. Das ist der zweite Punkt, den ich (manchmal schmerzlich) verstehen musste:

2. Wie meine Kinder handeln, hängt fast immer ausschließlich von mir ab

Wenn meine Kinder sich scheinbar unkooperativ verhalten, kann ich sicher sein, dass ein Missstand vorliegt. Entweder ich verletze ich über alle Maßen die Integrität meines Kindes. Oder ich bin selbst unglücklich und mein Kind spürt das.
Es könnte sein, dass wir unseren Job hassen. Es könnte sein, dass wir die Einrichtung für unser Kind eigentlich als nicht geeignet ansehen. Es kann sein, dass es uns unglücklich macht, unsere Kinder den ganzen Tag nicht zu sehen. Möglicherweise hassen wir den Zeitdruck, den wir ständig empfinden.
Welches Unglück uns innerlich zerfrisst, müssen wir selbst herausfinden, unsere Kinder weisen mit ihrem Verhalten nur darauf hin. Das führt zum dritten Punkt:

Ein Löffel mit Cornflakes

3. Es ist meine Verantwortung und mein Privileg, diesen Missstand zu ändern.

Es geht mir hier nicht um Schuld oder Schuldzuweisung. Wenn wir unglücklich sind, dann wurde uns etwas angetan, was zu diesen Punkt geführt hat. Aber um das zu ändern, müssen wir dennoch die Verantwortung dafür übernehmen, und auf jeden Fall nicht unsere Wut und Trauer an den (kooperierenden!) Kindern ablassen. Diese haben uns bereits einen Löwendienst erwiesen, uns auf unsere Situation hinzuweisen.
Es gibt viele Wege, die genannte Verantwortung zu übernehmen. Davon werdet ihr auch hier im Brunnen in Zukunft noch eine Menge lesen können.
Es sei hinzugefügt, dass, wenn man sich auf die Suche nach dem Gründen für die eigene Wut und Trauer macht, das weitreichende Folgen haben kann. Für unser Selbstbild, aber auch für unser Leben. Vielleicht stellen wir fest, dass die Art, wie wir unser Leben gestalten, nicht die ist, die uns glücklich macht?

Viele, viele Fragen, aber heute wollte ich eigentlich nur eines klar stellen:

Kinder wollen immer kooperieren. Manchmal direkt, manchmal spiegelverkehrt. Darauf können wir vertrauen! Wenn etwas nicht stimmt, dann liegt die Ursache in uns und in unserem Umgang mit unseren Kindern!

Es bleibt auf jeden Fall spannend,

Alles Liebe, Shalom,

Euer Mathias

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: