Lotte Flack als Dornröschen

Märchenfilme: The Good, the Bad and the Ugly

Märchen sind die perfekten Vorlesegeschichten. Ja, es gibt wahrscheinlich kaum eine literarische Gattung, die so aufs tiefste mit dem Kind unter der Bettdecke und dem Elternteil daneben mit dem aufgeschlagenen Buch verbunden ist.

Nach einer anstrengenden Woche…

Und dennoch. Man kennt das. Es ist Freitag Nachmittag und man ist nach der langen Woche dezent streichfähig. Eigentlich möchte man sich mit einem Kaffee (oder Tee) aufs Sofa werfen und von der Welt nichts mehr wissen. Aber dann ist da noch der kleine Schatz, der so gar nichts mit sich anzufangen weiß. Also wirft man schweren Herzens den Laptop/Fernseher an, damit allen Bedürfnissen genüge getan wird.
Hier bieten sich natürlich Märchenfilme an. Die weisen mit meist einer Stunde und teilweise auch nur einer halben die perfekte Zeit auf zum Kaffee kochen, aufs Sofa werfen, Kaffee trinken, einmal tief durchatmen und mit neuen Schwung das Kind schnappen und raus ins Grüne.
Aber welchen Film auswählen?
Ich habe, aus gegebenen Anlass, die letzten 7 Jahre sehr viele Märchenfilme gesehen und möchte euch ein paar Tipps, Wahrnehmungen und Gedanken dazu mitgeben!
Fangen wir mit dem Platzhirsch an: Disney-Filme.

Let it go….

Gerade für das oben beschriebene Szenerio sind die Disney-Animations-Filme denkbar ungeeignet. Einerseits sind sie sehr lang. Außerdem habe ich beobachtet, dass sie den Zuschauer sehr aufgekratzt zurücklassen. Das ist zum einen der Inszenierung geschuldet (dramatische Momente, witzige Sprüche, bildgewaltiges Finale), als auch der Dramaturgie. Meist bildet die Geschichte eine Aufwärtsspirale, die sich in einem bombastischen Ende entlädt.
Zu guter letzt haben diese Filme meist nichts mehr mit dem titelgebenden Märchen zu tun. Bei der allseits beliebten Schneekönigin ist dies so immens, dass man sich gar nicht mehr getraut hat, den Originaltitel zu verwenden, und statt dessen auf “Eiskönigin” umgestiegen ist, bzw. “Frozen”.
Ich möchte damit nicht sagen, dass Disney-Filme per se schlecht sind. Sie eignen sich einfach mehr für einen Kinder-Kino-Abend mit Popcorn, Freunden und einer langen “Abkühl”-Zeit nach dem Gucken. Denn mit “Gleich ins Bett” wird man den kleinen aufgekratzten Energiebällen danach nicht kommen können…

Sechs auf einen Streich

Werfen wir jetzt lieber einen Blick auf die deutschen Beiträge zum Thema.

Ins Auge sticht hier die seit etwa 9 Jahren laufende öffentlich-rechtliche Reihe “Sechs (oder fünf oder vier oder acht) auf einen Streich”. Ich empfinde diese Reihe als, wenn auch nicht uneingeschränkt, empfehlenswert. Nicht uneingeschränkt daher, da die Filme von verschiedenen Regisseuren in den verschiedenen Sendeanstalten (NDR, MDR, WDR, rbb…) inszeniert werden. Das sorgt für eine große Vielfalt, die zugleich Gewinn als auch Nachteil ist. Da wechseln sich werkgetreue und sanfte Beiträge (Brüderchen und Schwesterchen) mit völlig misslungenen und verzerrten Machwerken (Hänsel und Gretel) ab.

Lotte Flack als Dornröschen
Lotte Flack als Dornröschen im ARD-Film

Empfehlungen

Wer, so wie ich, Wert darauf legt, dass die Essenz des Märchens mindestens erhalten bleibt, dem empfehle ich vor dem Einschalten oder Kauf einen Trailer zum jeweiligen Film auf YouTube anzusehen. Ich stelle euch hier im folgenden mal eine unkommentierte Liste mit meinen Favoriten vor. Die ist subjektiv, also Vorsicht! (Wenn auch nicht völlig daneben, denke ich). Gerade die neueren habe ich auch noch nicht gesehen. Das werde ich aber nachholen und euch ein Listenupdate geben. Vielleicht mache ich in den kommenden Wochen immer mal wieder eine einzelne Review, damit ihr meine Entscheidungen nachvollziehen könnt. Also los:

Sehenswerte ARD-Märchen:

– Tischlein deck dich
– Brüderchen und Schwesterchen
– Das tapfere Schneiderlein
– Rapunzel
– Der gestiefelte Kater
– Das blaue Licht
– Dornröschen
– Die Gänsemagd
– Die kluge Bauerntochter (eher für ältere Kinder)
– Der Meisterdieb
– Die zertanzten Schuhe
– Allerleirauh
– Die drei Federn
– Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen
– Nussknacker und Mausekönig (relativ unheimlich)

Filme, die unter dem Aspekt der Werkstreue nicht überragend sind, aber mir trotzdem irgendwie gefallen, als Kinder-Film an sich:

– Die Sterntaler
– Aschenputtel
– Rumpelstilzchen
– Die Prinzessin auf der Erbse (Vater und Sohn Gwisdek. Shut up and take my money!)

Der erste Geheimtipp

Eine deutsche Märchenverfilmung, die nicht Teil der ARD-Reihe ist, hat mich sehr beeindruckt. Ich habe noch nie erlebt, dass der Geist der Vorlage so eingefangen wurde, wie in der ZDF-Märchenperlen-Umsetzung von Hänsel und Gretel (2006). Wenn ihr das Märchen mögt, dann schaut euch diesen Film unbedingt an. Hier der Link auf Amazon: Hänsel und Gretel

Aber Vorsicht, er ist wieder relativ unheimlich, erstmal testschauen, bevor ihr ihn euren ganz Kleinen zeigt.

Und der Zweite…

Zum Schluss möchte ich euch noch einen Geheimtipp geben. Es gab vor Jahren eine Deutsch-Griechische Co-Produktion von Puppenspiel-Adaptionen vieler, wirklich sehr vieler Märchen. Diese Reihe nennt sich “Märchen der Welt” und ist nahezu uneingeschränkt zu empfehlen. Einfache, werkgetreue Inszenierungen, die dennoch eine eigene Interpretation und Deutung aufweisen. Diese Puppenspiele (kein Puppentrick, es handelt sich wirklich um Puppentheater) haben eine Lauflänge von einer halben Stunde und sind damit optimal für kleine Kinder geeignet. Sie sind poetisch, einfach und entlassen unaufgeregt und zufrieden. Aber das beste ist: Man kann sie alle auf YouTube ansehen. Sucht dort einfach nach “Märchen der Welt”. Ihr werdet es wirklich nicht bereuen.

Märchenfilm als Puppenspiel

Ich hoffe, ich konnte euch den nächsten Freitag Nachmittag retten, bzw. Euch einen angenehmen kleinen Filmabend mit euren Lieben bescheren.

Schreibt gern in die Kommentare, was eure Empfehlungen und Geheimtipps sind!
Am Ende einen der ganz Großen des Kinderfernsehens zu zitieren:
Wenn es zu Ende ist: “Abschalten!”

  1. Wie findest du denn die Uralt-DDR-Verfilmungen? Ich die teilweise auch sehr angenehm, weil recht einfach gehalten (auch durch fehlende Möglichkeiten) und sehr am Original orientiert.

    • idb-mathi

      Da gibt es auch sehr schöne! Gerade „Das kalte Herz“ und ich liebe „Das Feuerzeug“.
      Hier wollte ich aber mal auf die neueren Filme eingehen und auf eher unbekannte Sachen.
      Vielleicht schreibe ich auch mal was zu den DEFA-Filmen…

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