Ich bin da – Teil 2 – Eine Glocke der Achtsamkeit

 

Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh hat einmal folgenden Satz gesagt:

Lausche, lausche, dieser wunderbare Klang bringt mich zum gegenwärtigen Moment zurück.

Ich möchte heute darüber schreiben, was hinter diesem Satz steckt und was er mit unserer Spiegelübung und der Formulierung “Ich bin da” (Siehe meinen ersten Beitrag zu dem Thema: Ich bin da – Teil 1) zu tun hat.
Oft bin ich in Gedanken bei meinen Aufgaben, denke über die Zukunft nach oder mache mir Sorgen um meine Kinder, meinen Job oder andere Sachen, die mir wichtig sind.
Manchmal empfinde ich es am Abend wie ein Erwachen, dass ich merke, dass ich zu kaum einem Augenblick am Tag geistig vollkommen präsent war. Die absolute Wahrnehmung der Gegenwart ist, gerade für Eltern mit Jobs und vielen Terminen am Tag eine Herausforderung.

Achtsame Momente

Dabei ist es so heilsam, sich solche Momente zu schaffen. Was wir darin erfahren können, ist ein Zustand der Freiheit und des am-Ziel-seins. Wir geben unserem Selbst die Gelegenheit, Luft zu holen und vielleicht überhaupt erst einmal die Geschehnisse der letzten Stunden zu verarbeiten.
Unser Verstand ist wie eine Schiefertafel, die wir über den Tag mit Notizen, Gedanken, Listen und Fragen füllen. Wenn wir es schaffen, uns einen Moment des puren Seins zu bilden, wischen wir die vollgekritzelte Tafel ab und fühlen uns nicht mehr beladen und belastet, sondern klar und frisch.
Wie schaffen wir uns solch einen Moment?

In buddhistischen Klöstern, und auch in einigen christlichen, erklingt mehrmals täglich eine Glocke. Thich Nhat Hanh nennt sie “die Glocke der Achtsamkeit”. Sie soll den Mönch daran erinnern, wieder in den gegenwärtigen Moment zurückzufinden. Dann ist ein Innehalten und tiefes Atmen angebracht, zusammen mit einer kleinen Affirmation, wie:

”Gott liebt mich”
“Das Universum liebt mich”

Oder eben

“Ich bin da”

Dieser Augenblick gehört dann nur uns.

Kleine Glocken der Achtsamkeit

Glocken der Achtsamkeit im Alltag

Es kann uns helfen, wenn wir uns kleine Glocken der Achtsamkeit schaffen. Es kann eine Uhr sein, die wir uns stellen, vielleicht stündlich, vielleicht weniger. Wenn sie klingelt, halten wir inne, mit dem, was wir derzeit tun. Wir atmen tief ein und aus, konzentrieren uns auf unsere Atmung und sprechen vielleicht einen Satz, wie oben beispielhaft beschrieben.
Wenn wir viel im Auto fahren, kann eine rote Ampel die Funktion einer solchen Glocke erfüllen. Es kann das Summen der Fußgängerampel sein, das Schlagen der Turmuhr, es gibt sogar einige Apps für das Handy, die diese Funktion erfüllen.

Mit dieser Praxis können wir uns unser Leben zurück holen, weil wir selbst in seine einzelnen Augenblicke zurückkehren. So besinnen wir uns auf uns selbst und erfahren eine große Freiheit und tiefen Frieden.

Schenken wir uns selbst Augenblicke, die nur uns gehören und kehren wir mit einem Lächeln in den Alltag zurück. Läuten wir eine Glocke der Achtsamkeit.

Shalom,

Euer Mathias

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