Text: Er und Sie

Ich möchte einen Text mit euch teilen, den ich vor etwa einem Jahr geschrieben habe.

Ich wünsche euch viel Spaß damit!

!Hinweis, weil es ja gelesen anders wirkt als vorgelesen: Das Ende ist als höchst sarkastisch zu interpretieren ;-)!


Er und Sie

Warum sprichst du denn nicht mehr mit mir? fragte sie und blickte ihn mit ihrem „Ich habe mir wochenlang darüber Gedanken gemacht und bin zu keiner Lösung gekommen-Blick an.

Er grunzte etwas, das in etwa so klang: Grunz. Und sah sie mit seinem Ich hätte jetzt nicht gemerkt dass etwas nicht stimmt, können wir das schnell hinter uns bringen-Blick an.

Erzähl mir nicht, dass du nicht gemerkt hast, dass etwas in der Luft liegt sagte sie.

Er dachte: Ich habe eigentlich nicht gemerkt, dass etwas in der Luft liegt, aber das kann ich ihr nicht erzählen. Er sagte: Doch! Na klar. Ich dachte nur, wir wären etwas müde. Hab viel gearbeitet in letzter Zeit. Und du hast immer die Kinder. Das schlaucht.

Du machst  es dir ja wieder schön einfach, sagt sie, hast du dir in den letzten Tagen  auch nur einen Gedanken gemacht, was in mir  vorgeht?

Er überlegte, was für Gedanken er sich in letzter Zeit gemacht hatte: Sein Computer war kaputt, er brauchte einen Neuen. Er wurde langsam fett. Er hatte Bock auf einen richtig schönen Burger. Hat seine Frau gerade noch ihre Tage? Er sagte: Doch. Du siehst immer ein wenig müde aus, in letzter Zeit. Ist das wegen dem Stress?

Nein! Nein, mein Lieber, ist es nicht. Es ist, weil du mich gar nicht mehr ansiehst. Weil ich vergeblich auf ein Zeichen der Zärtlichkeit von dir warte.

Er, der gerade auf den Kühlschrank gestarrt hatte und dabei das Display seines Handys mit dem Daumen gestreichelt hatte, sagte: Gar nicht wahr. Vorgestern war ich zärtlich zu dir, und du hast das ignoriert.

Du hast mir, während ich mit meiner Mutter telefoniert habe, von hinten an die Brüste gefasst.

Er sagte: Ich dachte, das entspannt dich.

Sie sagte: Ich fass es nicht.

Er sagte: Und überhaupt. Du weißt doch auch nicht, was in mir vorgeht.

Sie antwortete: Du fühlst dich gerade auf Arbeit nicht richtig wohl, weil du deiner Meinung nach nicht genug Leistung bringst. Du hättest gern einen neuen Computer und hast das Gefühl, dass du fett wirst.

Er sagte: Und du meinst, das ist alles ja? Er dachte: Mist. Er sagte: Gut, vielleicht bin ich in letzter Zeit ein wenig introvertiert.

Sie: Aha.

Er: Ja, weil, ach man, ich fühle mich so eingesperrt. Jeden Tag fahre ich zur Arbeit und will doch viel lieber Kunst machen.

Sie: Echt?

Er: Ja. Es ist ein Hamsterrad, in dem ich jeden Tag meine Runden drehe. Ich will so gerne, das machen, was mich ausmacht aber es geht nicht.

Sie: Das wusste ich nicht Du Ärmster. Kann ich irgendetwas für dich tun? Wie kann ich dir helfen?

Er: Vielleicht sollte ich heute Abend einfach mal rausgehen. Nachdenken.

Sie: Ja, das ist gut. Ich bringe die Kinder ins Bett, geh du einfach ein wenig spazieren. Vielleicht gönnst du dir einfach ein Glas Wein.

Er: Ja, ich glaub, das mach ich. Danke.Jetzt geht’s mir schon besser.

Sie: Ich bin so froh, dass wir uns wieder näher sind. Dass du wieder offen bist. Ich liebe dich.

Er: Ich liebe dich auch. Mein Schatz.

  1. Oh, sehr schön!

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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